Experte Jens Lohmann im Gespräch

Herr Lohmann, Sie betreiben bei der Auswertung und Dokumentation der Vergleichsfahrt sehr großen Aufwand. Warum?
Wir wollen eine ordentliche Verbrauchsmessung mit möglichst kleinem Messfehler haben. Deshalb geht es darum, sicherzustellen, dass zwischendurch nirgends Kraftstoff zugeführt werden und auch keine Lastminderung erfolgen kann. Das unterscheidet diese Messung von derjenigen im Jahr 2008 in Nardo: Damals ist der Lkw auf einer Teststrecke im Kreis gefahren, und es gab keine größere Möglichkeit, zu manipulieren. Die wäre jetzt zumindest theoretisch gegeben.

Vor dem Start nehmen Sie die drei Lkw in Rotterdam ab. Was bedeutet das?
Das bedeutet zunächst, dass ich die Kraftstoffzuführungsmöglichkeiten versiegele. Das erfolgt mittels Klebesiegeln und Plomben, die nicht zerstörungsfrei entfernt werden können. Dazu nutzen wir eine Mercedes-Benz Niederlassung, dort habe ich die Möglichkeit, die Fahrzeuge von unten zu überprüfen und die Fahrerhäuser zu kippen und entsprechende Siegel anzubringen. Anschließend werden die Fahrerhausschlösser mit Plomben versehen. Das gilt zum Beispiel auch für die Laderaumtüren und die Sattelkupplungen. Weiterhin werden die Fahrzeuge gewogen. Alles, was ich mache, wird dokumentiert und auf Fotos festgehalten.

Wie geht es nach dem Start für Sie weiter?
Nach dem Start bin ich im Servicecamp in Peine im Einsatz, insbesondere zur Überwachung der Tankvorgänge. Dabei halte ich die genauen Kraftstoff- und AdBlue-Mengen fest. Auch die Temperatur des Kraftstoffs wird dokumentiert – weil er nicht wie an der Tankstelle aus Erdtanks kommt und somit je nach Außentemperatur deutlich wärmer sein kann. Das wirkt sich auf das Volumen aus, an dem wir uns bei den Messungen orientieren.
Insgesamt gibt es in Peine sechs Betankungen. Nur ich werde die Plomben entfernen und nach jedem Tankvorgang wieder neue anbringen sowie den übrigen Zustand der Verplombung kontrollieren und alles dokumentieren.

Welche technische Ausrüstung kommt zum Einsatz?
Für den Kraftstoff stellt Shell die Betankungsanlage mit entsprechendem Eich- beziehungsweise Kalibrierzertifikat zur Verfügung. Ich selbst habe vor allem das Plombier- und Versiegelungsmaterial, Thermometer sowie eine Kamera dabei, aber kein großes technisches Equipment.
Die Fahrbewegungsdaten, also die Kilometer, das Durchschnittstempo oder auch die Pausenzeiten werden ja mit dem üblichen EG-Kontrollgerät festgehalten. Die lasse ich nach der Ankunft von unserem Partner, der avus Services GmbH, auslesen. Dadurch schaffen wir zusätzliche Unabhängigkeit und Transparenz.

Worin besteht für Sie als DEKRA-Prüfer bei dieser Aktion die größte Herausforderung?
Die besteht darin, dass wir es mit den Unwägbarkeiten des alltäglichen Fernverkehrs zu tun haben – und dass wir flexibel darauf reagieren müssen. Die Lkw werden sicher mal im Stau stehen und dann verspätet zum Tanken kommen. Trotzdem muss das routiniert ablaufen. Außerdem müssen sie schnell wieder auf die Strecke, sodass mir für meine Arbeit nur ein enges Zeitfenster bleibt.

Wie exakt sind die Daten, die Sie erheben?
Absolut exakte Werte gibt es nicht, bei jeder Messung kommt es zu kleinen Abweichungen. Ein Beispiel: Die Fahrzeuge stehen zum Betanken auf einer ebenen Fläche, und wir füllen die Tanks bis zur genau vorgegebenen Marke. Aber zu 100 Prozent bekommt man das trotzdem niemals hin. Unser Ziel ist, die Abweichungen so gering zu halten, dass sie sich nur auf die dritte Stelle nach dem Komma auswirken.

Wann liefern Sie das endgültige Ergebnis und in welcher Form?
Ich übergebe das in Form einer Dokumentation – mit sämtlichen Protokollen und dokumentierenden Fotos. Das wird umfangreich sein und deshalb einige Tage in Anspruch nehmen. Allerdings liegen die grundlegenden Daten wie die insgesamt getankten Kraftstoffmengen ja schon kurz nach der Zieleinfahrt am letzten Tag in Rotterdam vor. Deshalb können wir schon am Abend eine Aussage zum Ausgang des Vergleichswettstreits treffen.

Das Logbuch

03.07 00:21
Der Record Run 2011 der drei Mercedes-Benz Lkw hat nach insgesamt mehr als 10.000 km um Mitternacht sein Ziel erreicht.

02.07 16:57
Peine, 16:57 Uhr. Der Actros Record Run 2011 steht kurz vor dem Finale. Ein letztes Mal arbeiten Mechaniker aus der Werkstatt-Truppe des Mercedes-Benz Fahrversuchs die Check-Liste ab.

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