Das Logbuch

28.06 08:00


Ein dicker Stau auf der A2 zwischen Berlin und Magdeburg hat am Montag Spuren im Zeitplan des Actros Record Run 2011 hinterlassen. „Kein Problem", kommentiert Dr. Hannes Möller, Leiter des Fahrversuchs bei Mercedes-Benz-Trucks, die zeitliche Delle im Plan, „Das holen wir locker wieder raus."

Der Mann muss es ja wissen. Schließlich haben er und seine Mitarbeiter den Actros Record Run 2011 konzipiert. Und simuliert: „Wir kennen die Strecke", sagt Möller und meint damit die hohe Verkehrsbelastung auf dieser am meisten befahrenen Gütertransversale Europas. „Da muss man Stau-Zeiten mit einplanen."

Zum praktischen Teil in Möllers Rekord-Plan gehört auch der Einbau von Pufferzeiten an der Service-Station. Und ein augenscheinlich super-eingespieltes Team: Ohne den Anflug von Hektik greift da ein menschliches Zahnrad dem anderen unter die Arme. Keine Diskussionen, einfach nur machen.

Die Abläufe sitzen auf den Punkt: Um 17:16 Uhr rollt der neue Actros 1845 Euro V wieder vom Hof. 45 Minuten hinter dem Plan, nach 90 Minuten Verspätung bei der Ankunft: alle Achtung! Und das mit Tanken, großer Fahrzeugkontrolle – und Trailer-Tausch. Die Nachtschicht kann sich ziemlich entspannt auf ihren West-Trip Richtung Rotterdam machen – sofern man auf der A2 überhaupt von „entspannt" sprechen kann…

Während die Nachtschicht den Westteil der Langstrecke unter die Actros-Räder nimmt, rechnen Möllers Ingenieure die ersten vorläufigen Etappenwerte für Tempo und Verbrauch aus. Und staunen selbst nicht schlecht: 24,2 l/100 km hat der neue Actros 1845 Euro V über bislang 1224 Kilometer konsumiert. Das sind 7,9 Prozent weniger, als der vorläufige Wert (26,3 l/100 km) des aktuellen Actros 1844 ausweist.

Gemessen an der Voreinschätzung als ganz besonders knauserig erweist sich nach den ersten 1224 km der neue 1845 mit Euro-VI-Abgasreinigung. Er wird mit minus 6,1 Prozent auf den aktuellen 1844 geführt. Drei bis vier Prozent hatte man Mercedes-seitig erwartet. 24,7 l/100 km lautet der vorläufig Absolutwert.

Aufkeimende Freude mit Überschwangcharakter will Versuchschef Möller aber bitte noch dämpfen: „Wir fahren hier ganz bewusst einen Long-Run über 10.000 km, kein Sprintrennen", bremst der Testprofi sein Mitarbeiterteam. Doch die wissen natürlich ganz genau so gut wie er, dass sich mit dem für die kommenden Tage angekündigten Witterungsumschwung ganz schnell höhere Absolutwerte beim Dieselverbrauch einstellen können. Denn bis zur ersten großen Kontrolltankung am Montagnachmittag herrschten mit warmen Sommertemperaturen und nur mildem Wind ideale äußere Bedingungen. Am Mittwoch soll sich das ändern. Dann werden auch die Trailer wieder getauscht. Auch das kann die Relationen zwischen den Fahrzeugen durchaus wieder etwas verschieben. Dazu, und zu anderen Testdetails, demnächst mehr.

27.06 03:15


Zwischentankstopp, die Erste: Pünktlich um 03:15 Uhr rollt der brandneue Actros 1845 Euro V  auf den Hof. Richard Schneider und Thomas Roth haben die ersten 469 von mehr als 10.000 Wettbewerbskilometern hinter sich. Besondere Vorkommnisse? „Eigentlich keine“, sagt Richard Schneider. „Als wir um 00:07 Uhr die niederländisch-deutsche Grenze kurz hinter de Lutte passiert hatten, blieb der Verkehr zunächst ruhig.“

Das änderte sich hinter Bad Oeynhausen. „Auf der A2 ist auch montags morgens um 02:00 Uhr schon richtig was los.“ Eine bunter Nationalitätenmix, gefühlt mehrheitlich osteuropäisch geprägt, rollt ziemlich gesittet in Richtung Hannover. Hier zeigt sich schon der Vorzug von gesitteten „V-Set 83“: „Wir rollen ganz locker mit im Verkehr“, sagt Thomas Roth. „Manchmal werden wir überholt, müssen aber nur selten selbst rausziehen.“ Das spart Sprit.

Keine 40 Kilometer hinter der Ex-Expo-Stadt biegt Thomas Roth in Peine ab, Zwischenstopp Relaisstation. Der Bordcomputer zeigt schon mal schöne Zahlen, die das Team aber nicht preisgibt: „Es zählt nur, was der Dekra-Mann per Nachtankung feststellt“. Wir bleiben super-seriös. Gut so. Gedulden wir uns also und warten auf die erste offizielle "Wasserstandsmeldung".

26.06 20:23


Nun ging es doch schneller: In der tief stehenden Abendsonne rollt um 20:23 Uhr der erste der drei Actros von der Shell-Tankstelle Portland in Rotterdam. Am Steuer des neuen 1845 LS mit Euro-V-Abgastechnik sitzt Richard Schneider. Sein Ziel auf dem Weg nach Stettin: die erste Zwischenstation Peine zwischen Hannover und Braunschweig an der A2. Sein Co-Pilot Thomas Roth löst ihn nach der Hälfte der Strecke ab.

Den zweiten neuen Actros, ein 1845 LS mit Euro-VI-Motor, steuert zunächst Johann „Jupp“ Zens. Exakt drei Minuten nach dem ersten Actros geht Zens auf die Reise, keine Sekunde früher. Schließlich sollen die Züge nicht in Sichtweite voneinander fahren. Und schon gar nicht im Konvoi. Auf halber Strecke zwischen Rotterdam und Peine wird Jupp Zens von Roman Siwy abgelöst.

Den „Pacemaker“ Actros 1844 aus der bisherigen Baureihe übernimmt als Startfahrer Michael Kropp, unterstützt von Knut Schimanski. Auch Kropp rollt im fest definierten Zeitfenster von der Tankstelle in Richtung Autobahn. Um 20:30 Uhr bleibt auf der Tankstation des Record Run 2011 das Team von Dr. Hannes Möller zurück. Die meisten von ihnen müssen jetzt „angasen“, um vor dem Actros-Trio in Peine anzukommen. Denn dort heißt es wieder: „entplomben“, tanken, verplomben. Dazu Fahrzeug-Kurzcheck nach Liste, Fahrerwechsel. Und wieder raus auf die A2. Weiter nach Berlin, und dann Richtig Stettin.

Die Jungs am Steuer leisten dabei harte Routinearbeit. Alle Fahrerteams sind von Beginn an darauf geeicht, ausschließlich ihre Fahrzeuge den harten Job des sparsamen Fahrens machen zu lassen. Heißt: Tricks von Eco-Trainern, mit denen auch Lkw-Testfahrer gelegentlich mal nachhelfen, um ganz besonders gute Dieselverbrauchs-Duftmarken abzulassen, sind beim Actros Record Run 2011 komplett tabu.

Alle drei Sattelzugmaschinen werden von ihren Piloten generell mit dem Vortriebs- und Bremstempomat dirigiert. Den passenden Übersetzungswechsel in den durchweg serienmäßigen Powershift-Getrieben überlassen sie dem Automatik-Schaltprogramm.

Das so genannte Marschtempo, das ist die mit dem Tempomat eingestellte Wunschgeschwindigkeit, setzen alle Piloten immer auf 83 km/h. Zusammen mit der werksseitig vorgeschlagenen „Schwunghysterese“ ist so sichergestellt, dass in der Ebene praxisgerecht zügig, aber bergab nicht bußgeldbedrohlich schnell gefahren wird.

26.06 19:04


Drei - zwei - eins - Start! Dr. Hannes Möller, Chef des Fahrversuchs von Mercedes-Benz-Trucks, schickt die drei Wettstreiter des Actros Record Run 2011 auf die Piste. Ein wenig aufgeregt ist der oberste Lkw-Tester der Sternenmarke schon. Immerhin war er nicht unbeteiligt an der ehrgeizigen Zielsetzung
minus drei bis vier, bzw. minus sechs bis sieben Prozent.

Das sind die verbrauchsmäßigen Prozent-Ansagen, die der neue Actros dem Nardo-Rekordwagen Actros abjagen soll. Gewertet wird dabei ausschließlich der tatsächlich konsumierte Dieselkraftstoff. Um die exakte Menge festzustellen, fahren die drei Actros nebst Begleittross jetzt zunächst nur gut 50 Kilometer vom Startpunkt „Future Land“ Rotterdam zu einer großen Shell-Station in Portland/Rotterdam. Dort werden die Tanks der Testfahrzeug bis zu einer definierten Marke im Tank befüllt.

Die Temperatur außen und vom Kraftstoff werden genommen und von Dekra-Prüfer Jens Lohmann in Text und Bild dokumentiert. Plomben dran, auch an die Adblue-Tanks, denn natürlich soll auch der reduzierte Verbrauch an Katalysemittel überprüft werden. Gegen 21:00 Uhr soll die aufwändige Tankprozedur beendet sein. Dann geht es für die drei Vergleichs-Actros endlich los. Am Samstag, den 2. Juli, werden sie am späten Abend hier wieder zur großen Abschlussbetankung erwartet. Dann hat jeder der Testwagen mehr als 10.000 Kilometer auf der West-Ost-Route Rotterdam – Stettin und zurück hinter sich gebracht.

25.06 19:00


Countdown für den „Record Run 2011“: In der Mercedes-Benz Niederlassung Rotterdam steigt die Anspannung. Drei Schwerlastwagen vom Typ Actros, zwei brandneue 1845 LS und ein 1844 LS stehen zur Inspektion bereit. Inspizient ist Jens Lohmann von der Prüforganisation Dekra. Er garantiert die Einhaltung aller Spielregeln bei der Verbrauchs-Vergleichsfahrt.

Jede der drei Sattelzugmaschinen wird eingehend unter die Dekra-Lupe genommen. Plomben und Siegel stellen sicher, dass „die externe Zuführung von Kraftstoff“ nicht unentdeckt bleiben könnte. Auch eine Fahrt mit reduziertem Ballast würde auffliegen: Die Heckportale der Kofferauflieger hat Jens Lohmann ebenso verplombt wie die Sattelkupplungen der Sattelzugmaschinen.

Keine Chance für Ungereimtheiten: Der neue Actros in Euro-V- und in Euro-VI-Ausführung muss allein mit seiner fortschrittlichen Technik zeigen, was er gegenüber dem anerkannt sparsamen MP3- in Euro V drauf hat. Die Ansage ist ehrgeizig. Drei bis vier Prozent soll die Euro-VI-Version einsparen, sechs bis
sieben Prozent wurden dem 1845 Euro V als Ziel gesetzt.

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