Das Logbuch

29.06 13:16


Beinahe Bergfest beim Actros Record Run 2011. Zumindest für die sechs Männer von der Tagfahrschicht. Wenn sie die drei im Wettbewerb befindlichen Actros – zwei neue und einen aktuellen - am frühen Nachmittag auf den Hof der Servicestation lenken, sind für die Fahrzeuge gut 4500 von insgesamt etwas mehr 10.000 Kilometer je Fahrzeug erledigt. Die Tagschichtfahrer haben dann drei 12-Stunden-Runden à 820 Kilometer hinter sich. Weitere drei Runden liegen noch vor ihnen.

Am Servicepunkt Peine haben die Jungs außer leichtem „Papierkram" heute nicht mehr viel zu tun. Außer Umsatteln. Denn der routinemäßige Wechsel der Sattelauflieger von einer Zugmaschine zur nächsten steht heute zum zweiten Mal an. „Immer nach zwei Runden à 1640 Kilometer werden die Trailer durchgetauscht", erklärt Mathias Lichter, Leiter des Pressetestteams im Mercedes-Benz Fahrversuch, das Prinzip. „So ist sichergestellt, dass jeder der drei Actros jeden der drei an sich identischen Kofferauflieger zwei mal über die komplette Strecke Rotterdam - Stettin und zurück zieht."

Grund für das Tauschprozedere: Auch die allerletzte Mess-Unsicherheit, die in minimal differierenden Fahrwiderständen der baugleichen Trailer stecken könnte, soll vollumfänglich neutralisiert werden. Dass identische Reifen mit gleicher Profiltiefe die gleich ausgelasteten Sattelanhänger tragen, versteht sich angesichts des selbst auferlegten Anspruchs an die Messgenauigkeit von selbst. Schließlich soll beim Actros Record Rund 2011 einzig und allein die technische Performance der ziehenden Fahrzeuge unter Beweis gestellt werden. Und das mit ganz scharfem Blick auf einen Faktor: Das Delta beim Dieseldurst von Actros aktuell zu Actros neu.

29.06 08:57


Ein kleiner Stau am Kreuz Hannover-Ost, gleich nach dem Re-Start in Peine, ziemlich dichter Verkehr in Bad Oeynhausen und ein fettes Gewitter gegen 21:30 Uhr. Das war’s fast schon, was Michael Kropp zunächst von seiner Nachtschicht zu berichten hat.

„Blitz und Donner waren allerdings sehr heftig", konkretisiert er dann seine Lagebeschreibung für die Zeit von 21:30 bis 22:00 Uhr. „Dazu gab es heftigsten Regen und strammen Wind". Präzise beobachtet: Das Datenarchiv von „wetteronline.de" meldet für die betroffene Region im relevanten Zeitfenster mächtige Windböen bis Stärke 6 aus westlichen Richtungen und punktuell heftigen Niederschlag. An einem dieser Punkte war der langgezogene Actros-Konvoi gerade unterwegs, als das Unwetter zuschlug.

Im weiteren Verlauf der Nacht hat es dann immer wieder geregnet, „zum Teil lang anhaltend und ergiebig", wie die Wetterfrösche das nennen. Zusammen mit 18 Stopps schon bei der Ost-West-Querung von Bad Oeynhausen – normal sind sechs Halte – dürfte das den Dieselverbrauch für die ersten 800 Kilometer des dritten Record-Run-Tages messbar nach oben treiben.

Um 4:15 Uhr war die 800-km-Tour für Michael Kropp und seine fünf Kollegen jedenfalls erledigt. Die Tagschicht steuerte die drei Actros pünktlich um 4:40 Uhr – korrekt gestaffelt im Drei-Minuten-Takt - zurück auf die Autobahn 2, Fahrtrichtung Osten.

28.06 21:00


Die Datenbasis legt an Belastbarkeit zu: Mit 2866 Kilometern Fahrtstrecke hat der Actros Record Run 2011 jetzt deutlich mehr als ein Viertel seiner Solldistanz absolviert. Kumuliert betrachtet markiert der aktuelle Actros 1844 LS in Nardo-Spezifikation nach dieser Fahrtstrecke einen Vorgabewert für den Kraftstoffverbrauch von 26,3 l/100 km. Seine mittlere Geschwindigkeit erholt sich langsam vom Montagsstau und wird mit 77,7 km/h notiert.

Beim Tempo faktisch identisch, beim Verbrauch klar besser, stehen die beiden neuen Actros 1845 LS dar. Das absolut zukunftsfeste Euro-VI-Serienmodell erreicht jetzt 24,9 l/100 km. Das ist ein Vorteil zum bisherigen Benchmark-Truck Actros 1844 LS-Nardo von minus 5,3 Prozent. Der noch für gut zwei Jahre auf Wunsch mit BlueTec 5-Abgasreinigung lieferbare, neue Actros 1845 LS Euro V nimmt noch einen Schluck weniger aus dem Dieseltank: 24,2 l/100 km. Macht minus 7,8 Prozent zum Nardo-Meister.

Beim aktuellen Tagesergebnis nach 1642 Kilometern zieht der Nardo-Actros 1844 LS mit ebenfalls 26,3 l/100 km die 100-Prozent-Linie. Mit nach wie vor deutlichem Vorteil beim Dieseldurst beschließt der neue Actros 1845 LS Euro VI den Tag: 25,0 l/100 km. Noch besser kann es erwartungsgemäß der neue Actros 1845 LS Euro V. Sein Tageswert lautet 24,2 l/100 km. Beim Tagestempo liegen alle drei Wettstreiter ausgesprochen eng beieinander: von 78,4 bis 78,8 km/h reicht die Spanne, ganze sechs Minuten Differenz. Und das über 1642 km und knapp 21 Stunden reiner Fahrzeit. Hut ab.

"Das kumulierte Ergebnis der vorliegenden beiden Etappen bestätigt den anfänglichen Trend der ersten Teilstrecke", kommentiert Dr. Hannes Möller, Chef des Mercedes-Benz-Versuchs, die aktuellen Ergebnisse. "Im Detail sehen wir Unterschiede im Rollwiderstand der einzelnen Auflieger", so seine Analyse weiter. Dies sei gerade bei den durchgehend trockenen Witterungsbedingungen deutlich erkennbar. Auswirkungen auf die Gesamtresultate des 10.000 Kilometer langen Actros Record Run 2011 gibt es dadurch aber nicht: "Wir wechseln die Trailer systematisch nach zwei vollen Umläufen - alle 3300 Kilometer - durch. Da gleichen sich die Unterschiede aus."

28.06 17:35


Besondere Vorkommnisse: Keine. Mit diesem Fazit beendet Mercedes-Benz Werksfahrer Thomas Detscher seine Tagschicht. „Nach dem Megastau gestern tut so eine entspannte Fahrt gleich doppelt gut", zeigt sich der Profitester erleichtert. Denn natürlich herrschte am Vortag erhöhte Anspannung, als gleich zu Beginn des Actros Record Run 2011 der Zeitplan leicht ins Straucheln geriet.

„Fast alles ausgeglichen", sagt Detscher mit Blick auf die Uhr. Von den 90 Minuten Verzögerung, die der Stau auf der A2 zwischen Berlin und Magdeburg verursacht hatte, sind nur noch 15 Minuten übrig. „Die holen die Jungs vom Service jetzt auch noch rein", ist Detscher zuversichtlich.

Seinen neuen Actros 1845 Euro V hat er inzwischen an die Nachtschicht übergeben. Um 16:35 Uhr steuert Jupp Zens nach dem Tanken den neuen 1845 Euro V als ersten des Actros-Trios vom Service-Hof in Peine, Richtung Rotterdam. Drei Minuten später startet sein Euro VI-Kollege. Besondere Vorkommnisse: hoffentlich keine. Jedenfalls keine großen: „Am Kreuz Hannover-Ost klemmt’s eigentlich immer", hat Zens bei seinen zwei Nachtschichten zuvor schon festgestellt. Um 17:05 Uhr haben wir ihn mal kurz im Auto angerufen: „Es rollt wieder". Gute Fahrt!

28.06 14:30


Der neue Actros ist ein Hingucker. Keine Frage. Aber dass die Kollegen Lastwagenfahrer dermaßen genau hingucken, das verwundert doch. Zumindest zwingt es zu besonderer Aufmerksamkeit: „Die Jungs überholen Dich ganz langsam, bleiben auf Höhe der Kabine gleichauf und fangen an zu gestikulieren", berichtet uns Werksfahrer Hans Luft. „Die würden jetzt am liebsten über Funk mit dir reden. Oder gleich raus auf den nächsten Parkplatz. Gucken, Reden, und am besten gleich Reinsetzen ins neue Auto."

Daimlers Werksfahrer sind ja so einiges an wohlverstandener Neugierde aus den vergangenen Erprobungsjahren mit Prototypen des neuen Actros gewöhnt. Aber mit dem Wegfall der Tarnfolie seit der Weltpremiere vor einer Woche steht der Neue nun erstmals echt und in Natura da. „Da sind die Profis richtig heiß, das Auto mal etwas länger zu beäugen", sagt Hans Luft.

Seinen normierten Testfahrstil kann er bei allem Verständnis aber nicht aufgeben: „Wir fahren weiter mit ‚V-Set 83‘, und machen natürlich auch keinen Extra-Stopp." Logisch. Das würde ja die Vergleichbarkeit von Verbrauch und Fahrleistung gefährden. „Bislang sind wird da sehr gut unterwegs". weist Luft auf das mittlere Tempo der ersten 1224 Kilometer hin. Zwischen 76,0 und 76,5 km/h lagen die drei Trucks gestern Abend. Einschließlich Stau wegen Vollsperrung zwischen Zisar und Theeßen.

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