Das Logbuch

30.06 15:14


Noch knapp zwei Stunden, dann steht der nächste Fahrerwechsel an. Der achte von insgesamt zwölf während des sechs Tage andauernden Actros Record Run 2011. Seit dem Start in Rotterdam am vergangenen Sonntag um 19:02 Uhr erfolgen die Fahrzeugübergaben von einem Zweier-Team an das nächste immer in der Servicestation in Peine, immer gegen vier Uhr morgens und 16:00 Uhr am Nachmittag.

Der strenge Tauschplan folgt den Gesetzen des bundesdeutschen Arbeitsrechts ebenso wie selbstverständlich der europäischen Verordnung über die Lenk- und Ruhezeiten im gewerblichen Güterkraftverkehr. Dabei werden sämtliche Vorschriften mit sehr deutlichem Abstand zu den erlaubten Maximalzeiten eingehalten – wenn nichts dazwischen kommt. Allerdings müsste schon mehr als ein mächtiger Stau die Tagesplanung verderben, um hier die eingeplanten Sicherheiten bei den Lenk- und Ruhezeiten anzugreifen.Das häufige Abwechseln unterschiedlichster Fahrer – insgesamt sind 15 eingeteilt, drei mal zwei in der Tagschicht, weitere sechs für die Nachfahrt, und dazu drei Springer für alle Fälle – hat seinen vornehmlichen Sinn also in der gesetzeskonformen Ausgestaltung der Arbeitszeiten. Darüber hinaus bilden die vielen Actros-Lenkern auch ein gewisses Spektrum unterschiedlicher Fahrernaturelle beim Record Run 2011 ab, was sich im Endergebnis wieder neutralisiert. Im Kern aber leisten alle Fahrer eine hochdisziplinierte Arbeit, präzise nach Vorgabe.

30.06 10:56


Am 1. Juli tritt in Polen das elektronische Mautsystem „viaTOLL" in Kraft. Das streckenabhängige Gebührenerhebungssystem ersetzt die bis dahin gültige Pauschal-Vignette. Das hat Folgen. Natürlich für Transportunternehmer, deren Kosten für die Straßenbenutzung sich nach Expertenmeinung beinahe verdreifachen könnten. Für den polnischen Staat, dessen Einnahmesituation sich verbessern dürfte. Ganz aktuell aber hat die neue Mauterhebung in Polen Folgen für den Actros Record Run 2011: Alle drei Trucks müssen mit einer On Board Unit ausgestattet werden.

Das ist natürlich längst passiert. Wobei die Beschaffung der so genannten viaBOX einen ziemlichen Wust an Papierkram bedingte, aber das ist Schnee von gestern. Wenn von morgen an alles funktioniert, dann kommunizieren die viaBOXen in den drei Actros mittels Funktechnik mit Mautbrücken über den mautpflichtigen Straßen, und das Wettbewerbs-Trio hat freie Fahrt.

Die Technik der Mauterhebung ist von österreichischen Schnellstraßen her bekannt. Im vorliegenden Fall noch nicht bekannt ist die Funktionsfähigkeit der in Polen installierten Technik. Genauer gesagt: Der in Installation befindlichen Technik. So berichtet die Actros-Tagschicht von ihrem Grenzübertritt nach Polen, dass die Mautbrücken dort fallweise noch am Wegesrand liegen und augenscheinlich auf ihre Montage warten.

„Das könnte knapp werden", meint Anton Haitz von der Pressetestabteilung im Mercedes-Benz-Fahrversuch. „Wenn die Bautrupps jetzt erst anrücken, um die Brücken zu montieren, könnten wir morgen ziemliche Verkehrsproblem bekommen". Das wäre ärgerlich, jedenfalls dann, wenn zeitlich unkontrollierbare Staus die Folgen wären.

Deshalb will Haitz morgen früh einen „mautfreien Vorauswagen", sprich einen Pkw, vornweg schicken. Meldet der Probleme, macht die Actros-Truppe frühzeitig kehrt und fährt ihre Soll-Distanz geschlossen auf einem anderen Autobahnabschnitt ein. Schließlich sollen die angepeilten 10.000 Kilometer wenn irgend möglich bis Samstag 23:59 Uhr auf den Tachos stehen.

30.06 08:47


Im Moment sitzt Bernhard Schiel auf dem Beifahrersitz. Seit Schichtbeginn in Peine sind drei Stunden vergangen, der Actros Record Run 2011 bewegt sich auf der Nordumgehung Berlin in Richtung polnische Grenze. „Das Wetter ist halt erheblich schlechter als die Tage zuvor", beantwortet der Mercedes-Benz Werksfahrer die Frage nach der Lage. Na prima.

Viel Regen, viel Wind, viel Stau - viel schwieriger können die Bedingungen für einen Verbrauchstest eigentlich kaum werden. Aber so ist eben die Wirklichkeit. Nach zwei Superwetter-Tagen zu Beginn des Actros Record Rund 2011 – aber auch schon gebeutelt von einem Mega-Stau – fordert jetzt der Witterungseinfluss seinen zusätzlichen Tribut.

Und sonst? „Keine besonderen Vorkommnisse", sagt Bernhard Schiel. Die sechs Kollegen aus der Nachtschicht hatten die drei Actros mit einer kleinen Verspätung an die Tagschichtfahrer übergeben. „Die hatten ziemlich Probleme mit dem Wetter und mit dem Verkehr", berichtet Schiel. Das hat Zeit gekostet. Und Sprit. Weil aber bei Daimlers interner Wettfahrt die Sicherheit bei allem Ehrgeiz in der Zeitplanung immer „Prio 1" hat, wurde bei der frühmorgendlichen Fahrzeugübergabe der obligatorische Sicherheits-Check als Pflichtprogramm durchgezogen. So startete die Tagschicht gerade noch pünktlich in Peine. Und hat jetzt gleich den ersten Fahrerwechsel am Rastplatz Buckowsee – wir müssen das Telefonat schnell beenden.

29.06 21:02


Während das Actros Record Run-Trio gen Westen Richtung Rotterdam rollt, hat die Taschenrechner-Truppe in der Basisstation die nachgetankten Betriebsstoffmengen analysiert. „Bezogen auf den Dieselverbrauch spiegelt das Ergebnis die Unbilden des Wetters aus der vergangenen Nacht wieder", sagt Dr. Hannes Möller, Chef des Fahrzeugversuchs von Mercedes-Benz Trucks.

Dabei muss man allerdings zumindest so genau hinschauen, wie Möller das von Berufs wegen natürlich tut: Zwischen 0,6 und 1,9 Prozent liegen die Differenzen beim Etappendurchschnittsverbrauch zum Vortag. Zuwächse von 0,2 bis 0,8 Prozent beim Gesamtdurchschnittsverbrauch hinterlässt das teils heftig hoch auf der Fahrbahn stehende Wasser bei den kumulierten Werten. Die beziehen sich am heutigen Abend auf 4508 von etwas mehr als 10.000 Kilometern.

Eine gewisse Trendaussage ist da schon zulässig. Und die bestätigt derzeit, was Mercedes-Benz in unzähligen Messfahrten zuvor herausgefunden hat: Der neue Actros BlueTec 6 mit seiner serienmäßigen, extrem wirksamen Abgasreinigung nach der Euro VI-Norm verbraucht deutlich weniger Dieselkraftstoff als sein Euro V-konformer Vorgänger Actros 1844 LS BlueTec 5 im dieselknausernden Nardo-Trimm. Drei bis vier Prozent sollen es sein, sagt das Daimler-Management. Fast fünf Prozent sind es nach knapp der Hälfte des Actros Record Run 2011.

Dass der neue Euro V-Truck es noch etwas besser kann, verwundert angesichts der moderateren Grenzwerthürden niemanden. Schon mehr erstaunt, dass der neue Actros Euro VI-Truck auch noch sparsamer mit dem Katalysemittel AdBlue umgeht. Da hat die heutige Kontrollmessung eine Quote von nur 3,1 Prozent des Dieselkonsums ergeben. Zum Vergleich: Der aktuelle Euro V-Actros hat über die gleiche Entfernung 5,7 Prozent benötig. Der neue Actros 1845 LS BlueTec 5 liegt mit seinem neuen Motor mit 4,4 Prozent schon deutlich darunter.

Aber der neue BlueTec 6 Euro VI-Motor mit seinem fein abgestimmten Technik-Duo aus Abgasrückführung und „Mini-SCR" kann es offensichtlich noch besser. Und das, obwohl er einen gegenüber Euro V noch einmal um 80 Prozent niedrigeren Stickoxid-Grenzwert unterbieten muss.

29.06 18:27

Zwei Stunden Nachtschicht liegen hinter Jupp Zens, und seine Laune braucht Streicheleinheiten: „Insgesamt gut 20 Kilometer sind wir bisher schon im Stau oder zähfließend unterwegs", berichtet er uns via Freisprech-Handy. „Und der Regen wird immer heftiger". Stimmt. Wir sehen das per Livestream aus dem Kamerawagen. Der fährt direkt hinter Jupp, der heute Nacht den aktuellen Actros 1844 LS-Nardo pilotiert.

„Superverbräuche bringen wir euch so aber nicht nach Hause", meint der Altmeister. „Kein Problem", funken wir zurück, „es trifft euch ja alle drei gleichmäßig". Schließlich will der Actros Record Run 2011 vor allem die Verbrauchsdifferenzen zwischen dem aktuellen Actros und seinem Nachfolger herausmessen. Und zwischen Euro V und Euro VI. Da sind die Absolutverbräuche nicht von allererster Priorität. Das weiß der Jupp natürlich. Aber irgendwie wurmt den Testprofi das miese Wetter doch…

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